Trendgewicht berechnen: Vier Verfahren und welches zu dir passt

2026-10-04 Trendgewicht Trend-Algorithmus Glättung Gleitender Durchschnitt

Du wiegst dich vier Wochen lang jeden Morgen und landest bei 80,0 kg. Dann zeigt die Waage zwei Tage 79,0 kg, und du fragst dich, ob das schon der Beginn eines Verlusts ist. Ob dein Trendgewicht diese Frage nach drei Tagen oder nach zwei Wochen beantwortet, hängt vom Rechenverfahren ab.

Für die meisten Menschen passt die exponentielle Glättung, die Trendcurve standardmäßig verwendet. Sie ist ruhig und stabil. Wer schneller reagieren will, nimmt das 7-Tage-Mittel oder die doppelte exponentielle Glättung. Wer die Zahl am leichtesten nachrechnen will, nimmt eines der beiden Mittel. Die Wahl ist ein Tausch zwischen Ruhe und Tempo, und du kannst sie jederzeit ändern.

Das Prinzip: Rauschen gegen Verzögerung

Jedes Verfahren muss zwei Dinge gleichzeitig leisten. Es soll Tagesschwankungen durch Wasser, Salz und Mahlzeiten herausfiltern (mehr dazu in Warum dein Gewicht täglich schwankt). Und es soll echte Veränderungen schnell genug zeigen. Beides lässt sich nicht vollständig haben. Wer stärker glättet, bekommt eine ruhigere Linie, die einer echten Veränderung hinterherläuft. Wer weniger glättet, sieht Veränderungen früher, aber auch mehr Ausschläge.

Eine Studie von Turicchi et al. 2020 fand bei Daten von Smart Scales, dass ein exponentiell gewichteter gleitender Durchschnitt gut mit den tatsächlichen Werten übereinstimmte. Sie ist ein Hinweis darauf, dass der Standard eine vernünftige Wahl ist, aber kein Beleg dafür, dass er für dich immer der beste ist.

Die vier Verfahren in einfachen Worten

Exponentielle Glättung (Standard). Jeder neue Tageswert zählt mit 10 Prozent, der bisherige Trend mit 90 Prozent. Ältere Werte verblassen gleichmäßig, es gibt keine Kante, an der ein Wert plötzlich verschwindet. In den ersten Tagen rechnet Trendcurve mit einem laufenden Mittelwert, damit der Trend nicht am ersten Eintrag klebt. Eine Veränderung kommt zur Hälfte nach rund einer Woche an.

Gleitender Durchschnitt über 7 Tage. Der Trend ist der Mittelwert der letzten sieben Tage. Er reagiert schnell und gleicht ein komplettes Wochenmuster aus. Sein Nachteil: Ein Ausreißer wirkt sieben Tage lang und fällt dann auf einmal aus dem Fenster, was die Linie springen lässt.

Gleitender Durchschnitt über 14 Tage. Gleiche Rechnung mit doppelt so langem Fenster. Der Trend ist ruhiger und lässt sich am leichtesten verstehen, läuft aber einer Veränderung am längsten hinterher. Auch er springt, wenn ein alter Wert das Fenster verlässt.

Doppelte exponentielle Glättung (Holt). Dieses Verfahren schätzt nicht nur die Höhe, sondern auch die Richtung des Trends und schreibt sie fort. Bei einem gleichmäßigen Verlust liegt es deshalb am nächsten an der Realität. Trendcurve gewichtet das Niveau mit 15 Prozent und die Richtung mit 10 Prozent und dämpft sie mit 0,95, damit sie nicht ewig weiterläuft. Über Lücken ohne Messung schreibt das Verfahren den Trend fort. Bei einem Richtungswechsel kann es kurz über das Ziel hinausschießen.

Verfahren Reaktion auf Veränderung Ruhe bei Ausreißern
Exponentiell (Standard) mittel hoch
7-Tage-Mittel schnell mittel, Sprung nach 7 Tagen
14-Tage-Mittel langsam hoch, Sprung nach 14 Tagen
Doppelt exponentiell (Holt) am schnellsten bei gleichmäßigem Verlauf niedriger

Ein Rechenbeispiel mit festen Zahlen

Angenommen, dein Gewicht liegt vier Wochen lang bei exakt 80,0 kg. Dann sinken die Messwerte auf 79,0 kg und bleiben dort. So viel davon zeigt der Trend nach sieben und nach vierzehn Tagen:

Verfahren Trend nach 7 Tagen Trend nach 14 Tagen
Exponentiell 79,5 kg 79,2 kg
7-Tage-Mittel 79,0 kg 79,0 kg
14-Tage-Mittel 79,5 kg 79,0 kg
Holt 79,2 kg 78,9 kg

Das 7-Tage-Mittel hat den neuen Wert nach einer Woche vollständig übernommen. Die exponentielle Glättung braucht dafür deutlich länger und zeigt nach 14 Tagen noch 0,2 kg Abstand. Holt liegt nach 14 Tagen sogar leicht darunter, ein Beispiel für das Überschießen.

Jetzt der umgekehrte Fall: Du hast an einem einzigen Morgen 81,5 kg gemessen, 1,5 kg über deinem Niveau. Am selben Tag steigt der Trend bei exponentieller Glättung auf 80,15 kg, beim 14-Tage-Mittel auf 80,11 kg, beim 7-Tage-Mittel auf 80,21 kg und bei Holt auf 80,22 kg. Kein Verfahren nimmt den Ausreißer ernst, die Unterschiede liegen im Zehntelbereich.

Bei einem gleichmäßigen Verlust von 0,1 kg pro Tag, also 0,7 kg pro Woche, zeigt sich der Preis der Ruhe. Nach vier Wochen liegt der echte Wert bei 77,2 kg. Die exponentielle Glättung steht dann bei 78,05 kg, das 14-Tage-Mittel bei 77,85 kg, das 7-Tage-Mittel bei 77,5 kg und Holt bei 77,4 kg. Je stärker die Glättung, desto größer der Abstand zum echten Wert.

So wechselst du das Verfahren in Trendcurve

Öffne „Einstellungen & mehr“ und dann „Trend-Algorithmus“. Dort stehen alle vier Verfahren mit Beschreibung, Vor- und Nachteilen und dem heutigen Trendwert, den jedes Verfahren aus deinen Messungen ergibt. Diesen Vergleich mit deinen eigenen Daten solltest du nutzen, statt nach Gefühl zu wählen: Liegen alle vier innerhalb weniger Hundert Gramm, spielt die Wahl für dich kaum eine Rolle.

Nach dem Wechsel rechnet die App alles neu. Deine Messungen bleiben unberührt. Die Beschriftungen auf der Trendkarte, im Verlauf und auf dem Teilen-Bild nennen das gewählte Verfahren, damit ein geteiltes Bild nicht mit einer anderen Methode verwechselt wird. Ein Trend-Neustart (Pro) gilt für alle vier Verfahren. Die Einstellung ist Teil des Backups.

Die Funktion gehört zur kostenlosen Version. Du brauchst Pro weder für den Wechsel noch für den Vergleich der vier Werte.

Welches Verfahren passt zu welcher Situation

  • Du willst eine ruhige Linie und wiegst täglich: exponentielle Glättung, der Standard.
  • Du wiegst unregelmäßig oder hast Lücken: exponentielle Glättung, weil sie mit Lücken gut umgeht.
  • Du willst die Rechnung im Kopf nachvollziehen: 7- oder 14-Tage-Mittel. Wie das funktioniert, steht in Trendgewicht und gleitender Durchschnitt.
  • Du verfolgst einen gleichmäßigen Verlust oder Aufbau und willst früh Feedback: Holt.

Grenzen aller vier Verfahren

Kein Verfahren erkennt die Ursache einer Veränderung. Ein Trend, der um 0,5 kg gestiegen ist, kann Fett, Muskeln oder Wasser sein, und die Mathematik entscheidet das nicht. Jedes Verfahren braucht außerdem Messtage: Mit nur zwei oder drei Einträgen pro Woche wird jede Glättung ungenauer, und die Anlaufphase dauert länger.

Der Wechsel des Verfahrens verändert den angezeigten Trendwert, aber nicht dein Körpergewicht. Ein Trend, der bei der einen Methode 79,5 kg zeigt und bei der anderen 79,2 kg, ist keine Verbesserung. Vergleiche Wochen deshalb immer mit demselben Verfahren.

Entscheide dich daher für ein Verfahren und lass es mindestens zwei bis drei Wochen unverändert, bevor du prüfst, ob es zu dir passt.