In Woche sechs zeigt die Waage 0,2 kg weniger als vor sieben Tagen. Eine Bekannte, die dasselbe Mittel spritzt, hat im gleichen Zeitraum 1,5 kg verloren. Du fragst dich, ob bei dir etwas nicht stimmt.
Eine einzige normale Kurve gibt es nicht, nur eine Spanne. In der Studie STEP 1 sank das Körpergewicht unter Semaglutid 2,4 mg im Mittel um 14,9 Prozent nach 68 Wochen, unter Placebo um 2,4 Prozent. Ein Mittelwert beschreibt keinen einzelnen Menschen. Deine Kurve hat Stufen, flache Wochen und Ausreißer, und du erkennst sie erst im Trendgewicht.
Was ein Mittelwert über 68 Wochen sagt
Rechne den Studienwert auf einen Menschen mit 100 kg um: Im Mittel wären das 14,9 kg weniger, also 85,1 kg nach 68 Wochen. Die Placebogruppe verlor im Mittel 2,4 kg. Auf die Woche gerechnet sind das 0,22 kg, oder 0,22 Prozent des Startgewichts. Bei 80 kg sind 14,9 Prozent rund 11,9 kg, bei 120 kg rund 17,9 kg. Der Prozentwert skaliert mit deinem Startgewicht, die Kilozahl nicht.
Damit liegt der Durchschnitt unter der üblichen Faustregel von 0,5 bis 1 Prozent pro Woche, die Wie schnell solltest du abnehmen? erklärt. Das heißt nicht, dass jede Woche 0,22 kg bringt. Ein Durchschnitt über 68 Wochen sagt nichts darüber, wie sich der Verlust auf die einzelnen Wochen verteilt. Eine Woche mit 0,6 kg und drei Wochen ohne Verlust ergeben denselben Schnitt wie vier Wochen mit je 0,15 kg. Beide Verläufe sind möglich, und nur der Trend über mehrere Wochen unterscheidet sie von einem echten Stillstand.
Warum die Kurve Stufen hat
Die Dosis wird in Schritten geändert, die deine Ärztin oder dein Arzt festlegt. Nach einer Änderung kann sich die Wochenrate ändern, nach oben wie nach unten. Deshalb ist die sinnvolle Frage nicht, wie viel du in Woche sechs verloren hast, sondern wie schnell dein Trend auf der aktuellen Stufe läuft.
Dazu kommen die üblichen Schwankungen. Wasser, Salz, Verdauung und der Zeitpunkt der Mahlzeiten verschieben den Tageswert um mehrere Hundert Gramm, auch unter einer Therapie. Warum das so ist, steht in Warum dein Gewicht täglich schwankt. Ein Beispiel: Deine Tageswerte lauten 95,4 kg, 94,6 kg, 95,2 kg, 94,7 kg und 95,0 kg. Das sieht nach Auf und Ab aus. Der Trend dahinter liegt bei etwa 95,0 kg und kann eine Woche später bei 94,6 kg stehen, ohne dass ein einzelner Tageswert das zeigt. Zwei Wochen ohne Veränderung der Tageswerte sind darum kein Stillstand, solange der Trend sich bewegt. Ein Plateau liegt erst vor, wenn die Rate über mehrere Tage unter 0,1 kg pro Woche bleibt. Trendcurve erkennt das mit Pro in der Karte "Muster".
So liest du die Kurve in Trendcurve
Das Trendgewicht glättet die Tageswerte, wie Trendgewicht statt Tageswert beschreibt. Die Wochenrate berechnet Trendcurve aus den letzten 14 Trendwerten. Sie schwankt deshalb viel weniger als die Differenz zweier Wägungen.
Unter "Einstellungen & mehr → Medikamenten-Begleitung" schaltest du die Begleitung ein, trägst Dosis und Injektionstag ein und bekommst eine wöchentliche Erinnerung, die du mit "Erledigt" abhakst. Jede Dosisänderung legt einen Marker im Verlauf an. Das ist kostenlos. Die Karte "Dosisstufen" im Tab Analyse ist Pro: Sie zeigt je Stufe Zeitraum, Dauer, Trend-Änderung und Wochenrate und legt die Stufen als Bänder hinter den Chart.
Ein erfundenes Beispiel, keine Erwartung:
| Stufe | Dauer | Trend-Änderung | Wochenrate |
|---|---|---|---|
| 1 | 4 Wochen | minus 0,8 kg | 0,2 kg |
| 2 | 4 Wochen | minus 1,6 kg | 0,4 kg |
| 3 | 6 Wochen | minus 1,8 kg | 0,3 kg |
| 4 | 4 Wochen | minus 0,4 kg | 0,1 kg |
Stufe 4 sieht schwach aus. Mit 0,1 kg pro Woche liegt sie aber noch an der Plateaugrenze, nicht darunter, und vier Wochen sind eine kurze Zeit. Bevor du daraus etwas schließt, schau, ob der Trend in der folgenden Stufe wieder fällt. Bezeichnung und Dosis bleiben auf deinem Gerät.
Trendcurve warnt außerdem, wenn deine gemessene Rate über 1 Prozent des Körpergewichts pro Woche liegt. Bei 100 kg sind das mehr als 1 kg. Eine solche Warnung ist ein Anlass, mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu sprechen, kein Grund, selbst an der Dosis zu drehen.
Was die Waage nicht zeigt
Das Gewicht besteht nicht nur aus Fett. In einer Auswertung von 40 Studien machte fettfreie Masse im Mittel 29,1 Prozent des Verlusts unter GLP-1-basierten Mitteln aus. Bei 15 kg Verlust wären das im Mittel rund 4,4 kg, die nicht aus Fett stammen. Ein einzelner Mensch kann darüber oder darunter liegen.
Der Trend kann Fett und fettfreie Masse nicht trennen. Mit Pro ergänzen Körpermaße, also Taille und Körperfett aus Apple Health, sowie Fortschrittsfotos das Bild. Sinkt die Taille langsamer als das Gewicht, oder fühlst du dich schwächer, ist das ein Thema für das nächste Arztgespräch. Trendcurve ist kein Medizinprodukt und gibt keine Empfehlungen zu Dosis oder Einnahme.
Vier Fragen an deine Kurve
- Fällt der Trend auf der aktuellen Stufe, auch langsam? Dann wirkt die Stufe, und die Tageswerte sind Rauschen.
- Wie lang läuft die Stufe schon? Eine Woche Daten reicht nicht, die Wochenrate braucht 14 Trendwerte.
- Liegt die Rate über 1 Prozent des Körpergewichts pro Woche? Dann sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
- Stimmen Gewicht und Körpergefühl überein? Kraft, Taille und Kleidung erzählen etwas, das die Waage nicht kennt.
Wechsel, Pausen und das Danach
Eine Dosisänderung, eine Pause oder ein Wechsel lässt sich als Experiment oder Marker festhalten. In der Auswertung (Pro) vergleicht Trendcurve die Wochenrate der 28 Tage davor mit der Laufzeit und mit dem Abschnitt danach. Dafür braucht jeder Abschnitt mindestens 7 Tage und 4 Messtage. Die Karte trägt den festen Hinweis "Zusammenhang, keine Ursache": Sie zeigt, was sich im Trend geändert hat, nicht warum.
Trag jede Dosisänderung an dem Tag ein, an dem sie beginnt, damit die Kurve später erklärt, warum sie dort knickt. Wiege dich zur gleichen Tageszeit. Beurteile eine Stufe erst, wenn dein Trend zwei Wochen Daten auf ihr hat.